Auf dieser Seite haben wir alle Ausgaben der Bruderschaftszeitung zusammen getragen, die uns nicht digital zur Verfügung stehen. Wir haben die Original-Ausgaben eingescannt und wo nötig nachgearbeitet.

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Ausgabe 85 (Jahrgang 2012)

Ausgabe 84 (Jahrgang 2012)

Ausgabe 83 (Jahrgang 2011)

Ausgabe 82 (Jahrgang 2011)

Ausgabe 81 (Jahrgang 2011)

Ausgabe 80 (Jahrgang 2010)

 

 

Ausgaben 71-79

Ausgabe 79 (Jahrgang 2010)

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Ausgabe 75 (Jahrgang 2008)

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Ausgabe 72 (Jahrgang 2006)

Ausgabe 71 (Jahrgang 2006)

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Ausgabe 50 (Jahrgang 1999)

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Jahrgang 1993 (Ohne Ausgabe)

Ausgabe 30 (Jahrgang 1993)

Ausgabe 29 (Jahrgang 1993)

Ausgabe 28 (Jahrgang 1993)

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Ausgabe 12 (Jahrgang 1988)

Ausgabe 11 (Jahrgang 1988)

Ausgaben 1 - 10:

Ausgabe 10 (Jahrgang 1988) 

Ausgabe 9 (Jahrgang 1988)

Ausgabe 8 (Jahrgang 1987)

Ausgabe 7 (Jahrgang 1987)

Ausgabe 6 (Jahrgang 1987)

Ausgabe 5 (Jahrgang 1987) fehlt

Ausgabe 4 (Jahrgang 1986)

Ausgabe 3 (Jahrgang 1986)

Ausgabe 2 (Jahrgang 1986)

Ausgabe 1 (Jahrgang 1987)

Ausgabe 1 (Pilotausgabe)

Ausgabe 1 (Jahrgang 1985)

 

 

Genau zwanzig Jahre ist es her, dass der 1. Grenadierzug Arsbeck gegründet wurde. Zwei der damaligen Gründungsmitglieder sind bis heute dabei.

GründungsurkundeAn einem Sonntag im April 1993 trafen sich 11 Frauen und Männer in der Gaststätte „M. und G. Frentzen“ um den 1. Grenadierzug Arsbeck zu gründen. Seit diesem Tag sind wir bei vielen Umzügen in Arsbeck und den Nachbarorten dabei ebenso wie bei der jährlichen Fronleichnamsprozession.Gründungsmitglieder

Da die St. Adelgundis Schützenbruderschaft wie viele andere Vereine mit Schwund bei den aktiven Mitgliedern zu kämpfen hat, haben sich vor einigen Jahren der Jägerzug und der Grenadierzug zu einer Einheit zusammengeschlossen.

Der Grenadier- und Jägerzug besteht aktuell aus 11 aktiven Mitgliedern: 7 Grenadiere, 3 Jäger und der im letzten Jahr als Nachfolger für unseren ehemaligen Kommandanten Peter Paulsen von den Aktiven zum Hauptmann gewählten Michael Vieth.

An dieser Stelle danken wir dem Ehrengeneral Peter Paulsen für die immer sehr gute Zusammenarbeit über viele Jahre hinweg.

Seit dem Jahr 2010 ist die Gaststätte Haus Sell unser Vereinslokal. Ein besonderer Dank an dieser Stelle an Martina und Heinz-Willi Sell und Ihre Mitarbeiter für die absolut nette, freundliche und großzügige Betreuung. Wir treffen uns dort jeden zweiten Freitag im Monat. Wer Lust hat mitzumachen, ist gerne eingeladen, uns dort zu treffen.

Martina Michels-Krücken

Gründungsmitglieder

Ende Januar feiern wir die jährliche Winterkirmes zu Ehren der Schutzpatronin der Arsbecker katholischen Kirchengemeinde. Wer war die heilige Adelgundis die unserer Kirche und unserer Bruderschaft ihren Namen leiht?

Adelgundis-TeppichDie heilige Aldegundis wie man sie ursprünglich nannte, wurde um das Jahr 630 nach Christus in Cousolre in Frankreich geboren. Sie war die Tochter einer fränkischen Adelsfamilie und stammt in direkter Linie von den Merowingern ab.

Der Legende nach vernahm sie als junges Mädchen eine Stimme die ihr auftrug, keinen anderen als den Sohn Gottes als Bräutigam zu wählen. Leider hatten ihre Eltern sie da schon dem Sohn eines englischen Königs versprochen.

Statue Aldegundis

Als dieser nach dem frühen Tod der Eltern dieses Versprechen einlösen wollte, entkam Aldegundis ihm nur, weil ein Engel sie über die Fluten der Sambre geleitete.

Durch den Bischof Amandus von Maastricht fand sie Zuflucht in einem Koster. Von Amandus empfing sie auch den Schleier als Nonne. Bei der Einkleidung soll eine Taube ihr den Schleier auf das Haupt gelegt haben was auch vielfach in Darstellungen der Aldegundis gezeigt wird.

Das von den Eltern geerbte Geld nutze Aldegundis für die Gründung des Klosters Maubeuge in Frankreich. Sie legte den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Kranken- und Armenfürsorge und stiftete dazu ein Hospital. Das Kloster leitete sie als Äbtissin bis zu ihrem Tod am 30. Januar 684.

Adelgundis FensterNach ihrem Tod wurde sie in Cousolre bestattet. Durch die Initiative ihrer Nichte Adeltrudis wurden ihre Reliquien nach Maubeuge gebracht und befinden sich noch heute in der dortigen Pfarrkirche.

Ab dem 8. Jahrhundert wird die heilige Aldegundis vor allem in Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden verehrt. Sie wird zu den Nothelfern gezählt und bei Fieber, Krebserkrankungen, Kopfschmerzen, Epilepsie, Kinder- Augen- und Geisteskrankheiten sowie allgemeiner Todesgefahr angerufen.

Die Schwester der heiligen Aldegundis ist übrigens die ebenfalls heilige Waldetrudis. Waldetrudis gründete das Kloster im heutigen Mons, ihr Mann, von dem sie sich trennte nachdem die vier Kinder erwachsen waren, ist der Gründer der Klöster Hautmont in Frankreich und Soignies in Belgien.

Auch andere Mitglieder ihrer Familie wurden heilig gesprochen weil sie in dieser Zeit der Missionierung für ein christliches Leben eintraten und ihren weltlichen Besitz dafür einsetzten.

In der St. Adelgundis Kirche in Arsbeck gibt es vier besondere Exponate, die die heilige Aldegundis bzw. Adelgundis darstellen.Statue Adelgundis

Rechts im Haupteingang hängt ein großer Wandbehang aus dem Jahr 1983 der die heilige Adelgundis auf der Flucht vor dem englischen Prinzen bei der Überquerung der Sambre zeigt.

Direkt gegenüber befindet sich eine Statue der heilgien Aldegundis die zeigt, wie die Taube ihr den Schleier der Nonne auf das Haupt legt. Man beachte die Schreibweise die hier noch „Aldegundis“ lautet.

Rechts neben der Statue befindet sich in einem Schrein eine Reliquie der heiligen Adelgundis.

Hinter dem rechten Seiteneingang befindet sich eine weitere Statue die aus dem Jahr 1957 stammt. Sie ist mit „St. Adelgundis“ beschriftet. Auch hier legt eine Taube der heiligen Adelgundis das Tuch über das Haupt.

Im Hauptschiff vorne rechts direkt vor dem Altar befindet sich das St. Adelgundis Fenster aus dem Jahre 1943. In der rechten Bahn ist der heilige Bonifatius dargestellt, in der linken die heilige Adelgundis, auf der gegenüber liegenden Seite der heilige Sebastian und die heilige Caecilia (jeweils von innen gesehen).

In weiteren Fenstern ist der Lebensweg der heiligen Adelgundis dargerstellt. Die Fenster wurden von 1953 bis 1956 von dem Krefelder Künstler Ernst Hoff gestaltet.

Dieser interessante Artikel über die Geschichte Arsbecks entstammt der Festschrift zur 650 Jahr Feier. Wir geben ihn hier digitalisiert, aber in der damals üblichen Schreibweise wieder.

Das Gebiet um Arsbeck war schon mehr als tausend Jahre vor Christi Geburt von Menschen besiedelt. Im Jahre 1925 wurden in der Knipperheide - zwischen Rosenthal und Arsbeck-Rödgen - in einem Gräberfeld 14 Urnen aus der Hallstattzeit (1200-600 v. Chr.) gefunden, die sich im Museum in Leiden befinden. Etwa 400-500 Meter westlich der Dalheimer Mühle befindet sich ebenfalls ein Gräberfeld aus der Zeit 300-200 v. Chr. Funde an der Karbahn und am Schaagbach beweisen, dass auch römische Siedlungen hier bestanden. Arsbeck liegt auf der Kreuzung zweier Römerstraßen; von Bleriacum (Blerick) und Jülich und von Mederiacum (St. Pietersberg-Odilienberg) nach Neuss, etwa in der Mitte des Höhenzuges, den die Geologen den Wassenberg – Brüggener Horst nennen.

Der Name Arsbeck ist erst seit Mitte des 16. Jahrhunderts gebräuchlich. Bis dahin hieß dies Kirspel Orsbeck und war unter den Herren von Orsbeck eine zwischen den Herzogtümern Jülich und Geldern liegende, unabhängige, freie Herrschaft. Schon seit 1494 an den Herzog von Jülich verpfändet, ging sie 1561 in seinen Besitz über. Zur Unterscheidung mit dem ebenfalls zu Jülich gehörenden Orsbeck an der Rur änderte er den Namen in Arsbeck.
Die Bedeutung des Namens ist in Bezug auf das Grundwort ,,beck” (Beak) klar. In dem Bestimmungswort sieht Cramer, einer der besten Ortsnamenforscher der Gegenwart, sowohl in Orsbeck als auch in Arsbeck das keltische ,,ar” – fließendes Wasser.

Die Gründungszeit von Arsbeck ist anhand von Urkunden nicht nachzuweisen. Es gibt jedoch ziemlich sichere Anhaltspunkte dafür, dass es zwischen 700 und 800 schon bestand. Nach vielen Misserfolgen gewann das Christentum im Rur-Maastal um das Jahr 700 nachhaltigen Einfluss. Pippin der II. war seit der siegreichen Schlacht von Tertry unbestrittener Leiter des gesamten Frankenreiches. Der Majordomus hielt sich oft auf seinen Gütern in Maastricht auf. Pippins Gemahlin Plektrudis kaufte 698 die Güter des Haderich und Alberich zu Süsteren, gründete dort eine Kirche mit Kloster und schenkte beides dem iroschottischen Mönch Witlibrord, der mit zwölf anderen Missionaren gekommen war, den Heiden das Evangelium zu predigen. Um die gleiche Zeit wurde der hl. Lambertus, dessen Familie zu den edelsten des Landes gehörte, Bischof in seiner Vaterstadt  Maastricht.

Dass dies für die Ausbreitung des christlichen Glaubens in hiesiger Gegend von großer Bedeutung war, steht außer Zweifel. Es ist durch Funde nachgewiesen, dass der St. Pietersberg (der jetzige Kirchhügel von Odilienberg), der Birgelener Hügel und auch der Aldeberg früher Opferstätten der dort ansässigen Herren waren. Dass die Birgelener Kirche aus Wiros Zeit stammt, schrieb schon Pfarrer Dassen aus Arsbeck (+1674). Auf ihn ist der Name Dassenberg zurückzuführen. Die Umwandlung des Birgelner Hügels in eine christliche Kultstätte kann die des Aldeberges nicht viel später gefolgt sein.
Es ist gewiß kein Zufall, wenn wir mit dem Schutzpatron der Birgelener Kirche, dem hl. Lambertus (+um 700) und der Schutzpatronin der Arsbecker Kirche, der hl. Adelgundis (684 oder 68), zwei Heilige aus edelstem Geschlecht finden. Die Burg der Herren von Orsbeck wird in späteren Urkunden auch Aldeborg genannt. Man glaubt, dass der Aldeberg früher Aldegundisberg genannt wurde.

Es kann als sicher gelten, dass die Christianisierung des Ortes vom Aldeberg ausging. Das Plateau des Aldeberges war nicht so groß, dass auf ihm eine Kirche errichtet werden konnte. Zweifellos hat dort auch zunächst nur eine Burgkapelle gestanden. Als das Gotteshaus einen größeren Umfang haben musste, wird seine Verlegung in den Ort erfolgt sein. Die im 16. Jahrhundert für den Aldeberg in Urkunden gebrauchte Bezeichnung ,,hylige Struk” deutet ebenso daraufhin, dass dort die Arsbecker Erstkirche stand, wie die Tatsache, dass bis ins 20. Jahrhundert hinein in Arsbeck die Nachbarschaft noch betend zum Aldeberg zieht, wenn jemand auf Leben und Tod erkrankt.

Urkundlich treten die Herren von Orsbeck erstmals im Jahre 1118 auf. Erst um das Jahr    1100 wurde es Brauch, dass der Besitzer einer Herrschaft auch deren Namen führte. Ein Herr von Orsbeck war Gründer des Kollegialstiftes in Wassenberg und überwies dem Stift im Jahre 1118 einige Kirchen mit ihren Einkünften, unter anderen auch die Kirche von Wildenrath die damit ebenfalls erstmals urkundlich erwähnt wird.

Während die Aldeborg offensichtlich der Stammhof derer von Orsbeck war, haben die Herren von Helpenstein dieses Gut nur zeitweise besessen. Ein Friedrich von Helpenstein nennt sich 1334 auch Herr von Orsbeck. Die Herren von Helpenstein hatten ihren Stammsitz zu Helpenstein an der Echt im kölnischen Amte Hülchrath. Sie besaßen auch Güter in Ornagen bei Harff, Hockstein bei Rheydt und in Steinkirchen. Heinrich von Helpenstein verkaufte 1231 den adeligen Cisterzienserinnen in Ophoven 450 Morgen Gelände in Dalheim, worauf später das dortige Kloster errichtet wurde. 1358 ging die Herrschaft an den Gemahl der Aleydis von Helpenstein, Johann von Lynepe, über. Dessen Nachkommen besaßen die Herrschaft bis 1560. Das Gebiet der Herren von Arsbeck-Rödgen, wie sich die Helpensteiner zeitweise auch nannten, wird im Jahre 1410 wie folgt abgegrenzt:

"Berg von Elpenstein – Lentberg - St. Petersholz, von da über den Altar der Kirche in Wildenrath, up gen heese die Kule – Scherpenberg - Scheiffelsberg up de platten Stehen, VIoit bis Ruytgen-hylgen Struck-Feld und Acker tüschen Meinweg und Petersholt nach Elpenstein - wat hyr binnen geschyt dar soll eyn herr van Elpenstein richten“.

156o ging die Herrschaft an Wilhelm von Vlodrop und 1561 an den Herzog von Jülich über. Das Geschlecht der Helpensteiner war um 1450 erloschen. Seine Mitglieder kamen wegen Ausplünderung von Kaufleuten wiederholt mit dem Landfrieden in Konflikt. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt und ihre Burgen zerstört.

Rückschlüsse auf die Zeit vor dem Jahre 1ooo v. Chr. in Bezug auf Arsbeck bieten uns auch Urkunden über den Meinwegwald. An dieser uralten Holzmark von 1o ooo Morgen waren 14 Kirspel beteiligt: Wassenberg, Steinkirchen, Ophoven, Birgelen, Karken, Roermond, Melick, Herkenbosch, Vlodrop, Maasniel, Ober- und Niederkrüchten, Herten und Arsbeck. Diese Kirspel gehörten verschiedenen Dekanaten an. Das spricht dafür, dass die Holzmark schon vor der Dekanatseinteilung im Jahre 966 bestand. Herten, das noch mit zur Holzmark gehörte, wurde nach einer Schenkungsurkunde im Jahre 968 von Gelerga, der Tochter Heinrich des Finklers, an die Remigius Abtei verschenkt. Auch das spricht für einen Bestand der Holzmark vor 968 und damit für den Bestand Arsbecks vor dieser Zeit. Die Markordnung des Meinwegwaldes von 1633 im Archiv des Rathauses zu Niederkrüchten beruft sich auf die Herrschaft Wassenberg (1020-1131).

Über die Gründung der St. Adelgundis Bruderschaft ist folgendes bekannt: Im Herzogtum Jülich wurde schon vor 1333 regelmäßig Schatz erhoben. Dies geht aus einer Beschwerde hervor, in der ein schatzfreier Hof in Waldniel sich über seine Heranziehung zum Schatz beklagt. Als im Jahre 1350 der Herr der damals noch unabhängigen Herrschaft Arsbeck-Rödgen, der seine Wohnung außerhalb, wahrscheinlich in Cöln, hatte, ebenfalls eine Abgabe forderte, stellten die Schöffen ein Verzeichnis all dessen auf, was die Einwohner in den letzten 3 Jahren zu Nutz und Frommen des Kirspel hatten leisten müssen. Sie klagten dabei, dass sie trotzdem noch keine Sicherheit gehabt hätten. 1353 gründeten sie deshalb die St. Adelgundis-Bruderschaft, 1664, so wird von ihr geschrieben, wäre sie bei eingeschlichen unwirten Zeiten vergangen, dass nit ein einziger davon übrig. (Germ. Jahrbuch 1941, Schatz und Bede, Binterim und Mooren codex ll S. 162).

Die Gründung der St. Adelgundis Bruderschaft wurde also dadurch veranlasst, dass die öffentliche Sicherheit durch die Herren von Arsbeck nicht mehr gewährleistet war. Man bildete einen Selbstschutz, eine Bürgerwehr, um Familie, Hab und Gut vor Raub und Plünderung, Brandschatzung und  Schlimmerem zu behüten. Leider ist das Verständnis dafür heute vielfach verlorengegangen, was die Bruderschaften damals im öffentlichen Leben bedeuteten. Der Aufzug der Schützen, der Vogelschuß, die Wache am Haus des  Schützenkönigs, die Teilnahme von Offizieren der Bruderschaft an der Fronleichnamsprozession, das  Abholen von Pfarrer und Bürgermeister werden meist nur als Brauchtumspflege und Unterhaltung angesehen. Man sieht in den Aufzügen nicht mehr die bewusste Erinnerung an die Zeit, als der  Vogelschuß für den Schützenbruder pflichtmäßige Ausbildung mit der Waffe war, das Wachen auf den Landstraßen und den Ortseingängen blutiger Ernst, die Begleitung des Priesters mit dem Allerheiligsten auf Versehgängen nicht selten Einsatz des Lebens bedeutete. Daher bestand auch zwischen ihr und der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit eine so enge Verbundenheit, wie sie das Abholen von Pfarrer und Bürgermeister zu ihren Festaufzügen ausdrückt. Die Bruderschaft war Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Bruderschaftsmitglieder konnten nur tüchtige, wehrhafte und  ehrliche Männer werden. Nur solchen konnte man die Sicherheit von Leben und Gut der Ortseinwohner anvertrauen, und nur von solchen konnte man erwarten, dass sie auch in Ruhr- und Pestzeiten harte Pflichten, wie die Beerdigung oder die Verbrennung von an Seuche Verstorbenen  übernehmen würden, um die Überlebenden vor Ansteckung zu schützen.

Und wenn heute noch der Brauch besteht, dass eine Abordnung mit der Fahne den Schützenbruder zur letzten Ruhe begleitet, so sollte man wissen, dass dies in den ersten 3oo Jahren des Bestehens der Bruderschaft meistens Männern galt, die ihr Leben im Dienste der Gemeinschaft geopfert hatten.

Wenn uns aus den Jahren zwischen 1350 und 1700 nur wenig über das Schicksal unseres Ortes überliefert wurde, so deswegen, weil es in den Kriegswirren Ende des 16. Jahrhunderts verlorenging. Die damaligen Heere lebten von dem Lande, durch das sie zogen. Durchziehende Truppen bedeuteten daher Raub des Viehs, der Vorräte, Plünderung und Brandschatzung, unvorstellbare Not. Was die Truppen übrig ließen, nahmen die den Heeren folgenden Marodeure und Freibeuter. Aufgabe der Bruderschaften war es, die Bevölkerung rechtzeitig von dem Heranziehen von Truppen zu benachrichtigen, damit sie mit dem Vieh und der beweglichen Habe in die Wälder flüchten konnten. Daher heißt es oft in der Chronik, wenn ein Überfall auf den Ort erfolgt war: Die Bevölkerung war in die Wälder ausgewichen. Ein anschauliches Bild aus dieser Zeit vermittelt uns der Aufsatz von Franz  Meyer aus Dalheim im Heimatkalender der Heinsberger - Lande Jahrgang 1930 - „Kulturgeschichtliche Bilder aus 100 Jahren Krieg 1566-1666“. Aus diesen und anderen Aufzeichnungen können hier nur wenige Daten und Ereignisse aufgeführt werden. Aber auch sie vermittelt uns schon ein Bild davon, welche bewegte Zeiten unser Ort erlebte.

Im Jahre 1566 waren in Arsbeck 8 Spanndienstpflichtige mit 9 Pferden und 44 Handdienstpflichtige. In Rödgen 4 Spanndienstpflichtige und 32 Handdienstpflichtige, womit ein Anhaltspunkt für die damalige Einwohnerzahl gegeben ist. In diesem Jahre begann der spanisch-niederländische Religionskrieg. Im Jahre 1568 zog der Prinz von Oranien mit einem Heer von 20 000 Mann durch das  Jülicher Gebiet zur Maas gegen den Herzog Alba. Obschon es sich hier um neutrales Gebiet handelte, wurden die durchzogenen Ortschaften völlig ausgeplündert, Kisten und Kasten zerschlagen. Das Leid war so groß, dass viele Einwohner unter Hinterlassung von Hab und Gut flohen. Die Jahre 1568, 1570,  1574, 1576 und 1577 und

1680 waren schlimme Pestjahre. Pest und rote Ruhr waren häufig die  Nachfolger durchziehender Truppen.

1576: Mit „an der Buchen“ tritt der Name des späteren Ortsteiles Büch erstmals auf.

1581: Das Kloster der Cysterzienserinnen in Dalheim wurde gebrandschatzt.

1582: ln diesem Jahre durchzogen mehrmals Truppen von Roermond, plündernd, raubend und  mordend durch Rödgen und Arsbeck.

1584: Truppen plünderten das Kloster in Dalheim und den Ortschaften Rödgen und Arsbeck.

1586: Am 21. Mai wurde Rödgen von spanischen Truppen in Brand gesteckt.  Die Einwohner waren verzogen oder hatten sich verlaufen.

1590: In den Jahren von 1586 - 1590 wurde in Wildenrath und Arsbeck kein Bier gebraut.  Das Braugerät war von den Soldaten teils zerschlagen, teils mitgenommen worden.  Arsbeck musste in diesem Jahr schwere Kriegskontribution bezahlen.

1590: Am 23. Juni sind Soldaten mit Trommetten und Trommelschlag feindliche in Arsbeck  eingefallen. Pferde und Kühe und alles Fahrzeug wurde geraubt.

1591: Am 1.10. wurde in Arsbeck von Soldaten alles Vieh weggeholt.

1629: und 1630 lagen das ganze Jahr hindurch in Arsbeck und Rödgen Truppen in Quartier. In Arsbeck wohnten damals 67 steuerpflichtige Grundbesitzer.

1632: durchzogen Truppen des Grafen von Pappenheim den Ort.

1636: Nachdem schon in den Jahren 1605, 1607, 1615, 1632 und 1634 Pest und rote Ruhr viele Opfer gefordert hatten, starben im Jahre 1636 in Arsbeck und Rödgen innerhalb von 6 Wochen  175 Personen an der Pest. Nach der Chronik war dies fast die Hälfte der Einwohner. Auch der  Pfarrer Peter Heinrich Quack war unter den Opfern.

1666: war ein besonders großes Notjahr. Hagelschlag hatte die ganze Ernte vernichtet.

1667: wurden in Arsbeck-Rödgen 17o Stück Rindvieh gezählt. Der Meinwegwald war  gemeinschaftliche Viehweide. Die Jahre 1688-1697 gingen die Geschichte als  1. bis 3. französischen Raubkrieg ein. Damit ist auch gekennzeichnet, was sie für die  hiesige Gegend bedeutet haben.

1680: Die Kirche in Arsbeck wurde völlig ausgeraubt und alle Akten vernichtet.  Die Cysterzienserinnen in Dalheim mussten die Klosterinsassen zeitweise zu ihren Eltern  zurückschicken, weil sie nichts zu essen hatte.

1696: wird über Arsbeck-Rödgen geschrieben. Es gibt dort 55 abgebrochene und verkommene  Häuser, 18 Scheunen oder Ställe. Die übrigen 25 Häuser sind meist dach- und fachlos.  9 Familien leben von Almosen. Wo noch ein Baum steht wird er abgehauen und für die  Steuer verkauft.

Im Rahmen dieser Ausführungen können nur wenige Daten aus der Ortsgeschichte erwähnt werden.  Auch können diese nur mit einigen Stichworten das jeweilige Geschehen andeuten. Immerhin werden sie den Leser davon überzeugen, dass es tatsächlich unwirtliche Zeiten waren, die unsere Heimat in  den ständigen Kriegswirren erlebte. Und der Satz über die St. Adelgundisbruderschaft: „1664, so wird von ihr geschrieben, wäre sie bei unwirtlichen Zeiten vergangen, dass nit ein Einziger davon übrig“  klingt uns jetzt wie ein hohes Lied auf ihren Geist und ihre Opferbereitschaft in den ersten 3oo1ahren  ihres Bestehens. Platten des Königssilbers aus dieser Zeit sind uns keine erhalten. Es wurde überliefert, dass sie eingeschmolzen und zu dem Cruzifix verarbeitet wurden, das noch heute bei festlichen  Anlässen in der Pfarrkirche in Arsbeck als Altarkreuz dient.

Auch das 18. Jahrhundert brachte unserem Ort neben Jahrzehnten friedlichen Aufbaues noch manche  kriegerische Ereignisse und Drangsale. Um das Jahr 17oo war der französische Einfluss vorherrschend  geworden.
1797 nahm in Arsbeck in einem etwas abgelegenen Hause eine Scherenschleiferfamilie Wohnung. Angehörigen dieser Familie wurden 1798 zahlreiche Raubüberfälle nachgewiesen. Sie wurden 1798 in Köln zu hohen Galeerenstrafen verurteilt. Sowohl der österreichische Erbfolgekrieg von 1740 - 1758 als auch der 7 jährige Krieg von 1756 - 1763 ließen hier ihre Spuren zurück. Von 1794 bis 1814 geriet der Ort vollends unter französische Herrschaft. 1775 wurde unter der letzten Äbtissin des Dalheimer Konvents, Maria Anna von Oyen, noch die Dalheimer Mühle neu aufgebaut. Nach fast 6oojährigem  Bestehen wurde das Kloster mit Auflösungsdekret vom 13.8.1802 aufgehoben. Die Äbtissin und 7  Konventualinnen mussten das Kloster verlassen. Die Ländereien wurden verkauft. Der damalige  Pfarrer von Arsbeck, Rademacher, lehnt es ab, dass die Pfarrkirche in Arsbeck sich an dem klösterlichen Gut bereicherte. Infolgedessen kamen die Partikel des hl. Kreuzes und der Geisselsäule nach Orsbeck an der Rur, die Statue des hl. Bernardus und viele andere Gegenstände aus dem Kloster nach Roermond.

Als im Jahre 18o6 die baufällige Kirche in Arsbeck erneuert werden musste, wurde wohl das  Baumaterial teilweise den Ruinen des Klosters entnommen. 18o7 wurde das Waldgeding des Meinwegwaldes aufgelöst. Schon in dem vorhergehenden Jahrhundert waren die Bewohner in ihren  Rechten von den adeligen Herren immer mehr beschränkt worden. Holz durfte nur noch an einem Tag im Jahre geschlagen werden. Im übrigen wurden Ortseinwohner oft tagelang als Treiber von den  Jagdherren in Anspruch genommen. 1820 wurde im Meinwegwald der letzte Wolf erlegt. Hirsche waren  dort schon vor 1800 nicht mehr. Das Gebiet des Meinwegwaldes wurde auf die beteiligten Gemeinden mit je 186 ha 43 ar aufgeteilt. 1829 gaben die Gemeinden den Wald gegen 3 - 4 Taler Entgelt auf 99  Jahre in Erbpacht. Nur sehr wenige Ortseinwohner waren in der Lage, Teile davon zu erwerben. Der  größte Teil gelangte in auswärtigen Besitz. Es erwarben:

der damalige Reg. Präsident von Aachen v. Reimann 942 Nlorgen

Reg. Rat Ritz, Aachen 1861 Morgen

Die Familie Pakenius, Wassenberg 56o Morgen

Baron v. Scherpenseel 753 Morgen (dieser Besitz ging 1858 an den Grafen von Schaesberg über)

Graf von Mirbach 195 Morgen

Das Gelände wurde von den neuen Besitzern mit Kiefern und Fichten aufgeforstet. Der Verlust des  Meinwegwaldes war für die Einwohner von Arsbeck ein schwerer wirtschaftlicher Rückschlag. Bis dahin  war der Meinwegwald gemeinschaftliche Viehweide. Nach dem Fortfall der Viehweide waren viele Einwohner nicht mehr in der Lage, eine Kuh zu halten, weil sie zu wenig Land besaßen. Auch als  Bienenweide hatte der Meinwegwald große Bedeutung gehabt. Damals gab es noch in jedem Haus  von Arsbeck einen Bienenstand. Aus den Kirchenbüchern geht hervor, dass noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts jährlich mehr als 1000 Bienenvölker von auswärtigen Imkern in den Meinwegwald  gebracht wurden, wofür an die Pfarrkirche ein Entgelt zu leisten war. Nach Auflösung des  Gemeinschaftswaldes trat daher in den folgenden Jahrzehnten eine große Verarmung der Bewohner  ein.

Über das Schulwesen der damaligen Zeit gibt uns ein Bericht aus dem Jahre 1822 Aufschluss. Es heißt  darin, dass der Küsterorganist bislang ein hinlänglich fähiger Lehrer der Kinder gewesen sei. Allgemeine Schulpflicht bestand damals noch nicht. Diese wurde im Rheinland im Jahre 1825 eingeführt. Im Jahre 1835 wird berichtet, dass der Schulbesuch in Arsbeck ziemlich regelmäßig gewesen sei.

1840 wurden die ersten Streichhölzer bekannt. Bis dahin wurde mit Stahl, Stein und Schwamm Feuer entfacht. Der Nachtwächter ging auf seinem letzten Rundgang morgens mit dem „Vüürpott“ durch die Straßen. Den Frauen wurde dadurch das Anzünden des Feuers erleichtert. 1850 schreibt Kaltenbach  in seinem Werk über den Reg. Bez. Aachen auf Seite 297: „Arsbeck ist ein armes, ringsrum von Heide umgebenes, meist aus Lehmhütten bestehendes Kirchdorf. Vor der Ernte wachen die Einwohner, um groß und kleinem Getier zu wehren zu vernichten, was da wächst. In Arsbeck ist starke Bienenzucht, in dem dortigen Sandboden baut man Roggen, Buchweizen, Ackersporn und Leindotter mit günstigem Erfolg. Die Heiden liefern Streu und Reiser für Heidebesen“.

Fast alles, was die damaligen Bewohner am Leibe trugen, war selbst gestrickt, gesponnen und  gewebt. Im Jahre 186o waren in Arsbeck-Dalheim-Rödgen 113 Webstühle. Viele Einwohner verdienten  ihren Lebensunterhalt durch Besenbinden. 186o kam hier auch der erste Kunstdünger in Gebrauch,  der sog, Peru-Guano.

Nach den Kriegsjahren 1864, 1866 und 1871 nahm das wirtschaftliche Leben in Deutschland einen günstigen Aufschwung. Auch Arsbeck gewann durch die im Jahre 1879 erbaute Eisenbahnlinie von  Mönchengladbach nach Roermond Anschluss an die Welt. Erst im Jahre 1893 wurde in Arsbeck ein Haltepunkt eingerichtet. Seit 1881 bestand im Bahnhof Dalheim schon eine Postanstalt. 1889 feierten  die Einwohner von Büch erstmals ihre Laurentiuskirmes.

Durch die fortschreitende Mechanisierung war die Hausweberei schon Ende der 8oer Jahre zum  Erliegen gekommen. Bei der Eisenbahn fanden viele Ortseinwohner Arbeit. Durch die Eisenbahn war  nun auch Gelegenheit, in dem Industriebezirk Rheydt und Mönchengladbach Arbeit aufzunehmen. 1912 wurde die Ortschaft mit Elektrizität versorgt. 1914 wurde ein gemeindeeigenes Wasserwerk  errichtet. Im ersten Weltkrieg ?elen aus der Gemeinde, einschl. Dalheim - Rödgen 46 Männer und  Jünglinge. Dem zweiten Weltkrieg ?elen aus der Gemeinde 151 Menschen zum Opfer. Von September 1944 bis zum Ende der Kampfhandlungen musste Arsbeck von den Bewohnern geräumt werden. Viele von ihnen fanden in Borghorst und Billerbeck in Westfalen Aufnahme. Die zurückkehrenden Bewohner fanden 14 Häuser und 7 Brücken zerstört vor. Inzwischen wurde Arsbeck selbst vielen Heimatvertriebenen Zufluchtsort.

Der herrliche Wald um Arsbeck und Dalheim-Rödgen wurde in den Nachkriegsjahren teils abgeholzt, teils als militärisches Gelände in Anspruch genommen. Unsere Heimat hat dadurch viel von ihrer eigenartigen Schönheit verloren. Trotzdem haben wir allen Grund, in den Tagen der Jubelfeier dem Herrgott zu danken, dass sie uns erhalten blieb und wir nicht in der Fremde Zuflucht suchen müssen.

Quelle: Archiv des Kreises Heinsberg (Festschrift zur 650 Jahr Feier)


Von Gerhard Consoir

Über die Gründung der St. Adelgundis Schützenbruderschaft ist folgendes bekannt: Im Herzogtum Jülich wurde schon vor 1333 regelmäßig Schatz erhoben. Dies geht aus einer Beschwerde hervor, in der ein schatzfreier Hof in Waldniel sich über seine Heranziehung zum Schatz beklagt. Als im Jahre 1350 der Herr der damals noch unabhängigen Herrschaft Arsbeck-Rödgen, der seine Wohnung außerhalb, wahrscheinlich in Köln hatte, ebenfalls eine Abgabe forderte, stellten die Schöffen ein Verzeichnis all dessen auf, was die Einwohner in den letzten drei Jahren zu Nutz und Frommen des Kirspel hatten leisten müssen. Sie klagten dabei, daß sie trotzdem noch keine Sicherheit gehabt hätten. – 1353 gründeten sie deshalb die St. Adelgundis-Schützenbruderschaft.

Die Gründung der Bruderschaft wurde also dadurch veranlasst, daß die öffentliche Sicherheit durch die Herren von Arsbeck nicht mehr gewährleistet war. Man bildete einen Selbstschutz, eine Bürgerwehr, um Familie, Hab und Gut vor Raub und Plünderung und Schlimmerem zu behüten.

Leider ist das Verständnis dafür, was die Bruderschaften damals im öffentlichen Leben bedeuteten, heute vielfach verloren gegangen. Der Aufzug der Schützen, der Vogelschuß, die Wache am Haus des Schützenkönigs, die Teilnahme von Offizieren der Bruderschaft werden meist nur als Kurzweil und heiteres Spiel angesehen. Dadurch schleichen sich Mißbräuche ein, die nicht selten schon einen mehr karnevalistischen Einschlag haben.

Man sieht in den Aufzügen nicht mehr die bewußte Erinnerung an die Zeit, als der Vogelschluß für den Schützenbruder pflichtgemäße Ausbildung mit der Waffe war, als Wachen auf den Landstraßen und an den Ortseingängen blutiger Ernst, die Begleitung des Priesters mit dem Allerheiligsten auf den Versehgängen nicht selten Einsatz des Lebens bedeutete. Daher bestand zwischen ihr und der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit eine enge Verbundenheit, wie sie das Abholen von Pfarrer und Bürgermeister zu ihren Festaufzügen ausdrückt.

Die Bruderschaft war Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Bruderschaftsmitglieder konnten nur tüchtige, wehrhafte und ehrliche Männer werden. Nur ihnen wurde die Sicherheit von Leben und Gut der Ortsbewohner anvertraut, und nur von diesen konnte man erwarten, daß sie auch in Ruhr- und Pestzeiten harte Pflichten, wie die Beerdigung oder Verbrennung der an Seuchen Verstorbenen übernehmen würden, um die Überlebenden vor Ansteckung zu schützen. Nachdem schon in den Jahren 1605, 1607, 1615 und während des 30-jährigen Krieges Pest und Ruhr viele Opfer gefordert hatten, starben allein im Jahr 1636 in Arsbeck und Rödgen innerhalb von sechs Wochen 175 Personen an der Pest. Nach der Chronik war dies fast die Hälfte der Einwohner. Auch der Pfarrer Heinrich Quack war  unter den Opfern.

1664, so wird geschrieben, wäre die Bruderschaft in diesen unwirten Zeiten beinahe vergangen, da nur einzelne Mitglieder übrig blieben. Das klingt uns jetzt wie ein hohes Lied auf ihren Geist und ihre Opferbereitschaft in den ersten 300 Jahren ihres Bestehens.

Wenn uns aus den Jahren zwischen 1350 bis 1700 nur wenig über das Schicksal unseres Ortes überliefert wurde, so deswegen, weil in den Kriegswirren Ende des 16. Jahrhunderts vieles verloren ging. Die damaligen Heere lebten von dem Land, durch das sie zogen. Durchziehende Truppen bedeuteten daher Raub des Viehs, der Vorräte, Plünderung und Brandschatzung, unvorstellbare Not. Was die Truppen übrig ließen, nahmen die den Heeren folgenden Marodeure und Freibeuter.

Aufgabe der Bruderschaft war es, die Bevölkerung rechtzeitig vor dem Heranziehen der Truppen zu benachrichtigen, damit sie mit Vieh und der beweglichen Habe in die Wälder flüchten konnte. Daher heißt es oft in der Chronik, wenn ein Überfall auf den Ort erfolgt war: „Die Bevölkerung war in die Wälder ausgewichen“.

Fahne von 1907Auch das 18. Jahrhundert brachte unserem Ort neben Jahrzenten friedlichen Aufbaues noch manche kriegerische Ereignisse und Drangsale. Dasselbe war Anfang des 19. Jahrhunderts der Fall. Leider gingen im letzten Weltkrieg zahlreiche Unterlagen der Bruderschaft verloren. Ein Kassenbuch von 1890 bis 1913 ist noch vorhanden. Danach kaufte die Bruderschaft 1890 eine neue Fahne. Sie wurde angefertigt von dem Maler Wilhelm Sieben aus Wassenberg zum Preis von hundertfünfunddreißig Mark. Die eine Seite trägt das Bild der allerseligsten Jungfrau Maria, die andere ein Bild des heiligen Sebastianus. Im Jahre 1907 wurde wieder eine Fahne mit dem Bild der heiligen Adelgundis und des heiligen Josef auf der Rückseite, angeschafft. Eine dritte, ebenfalls noch vorhandene Fahne, mit dem Bildnis der heiligen Adelgundis und dem des heiligen Aloysius, ist leider ohne Jahreszahl. Alle drei sind heute in einem sehr schlechten Zustand und können bei Aufzügen nicht mehr mitgeführt werden. Die Bruderschaft hat deshalb für das Jubiläumsjahr 1978 eine neue Fahne bestellt.

Die Kirchengemeinde Arsbeck hat das Glück, eine Reliquie der heiligen Adelgundis zu besitzen. Durch die Bemühungen der damaligen Pfarrers Mechenich erhielt sie die Reliquie im Jahre 1873. Sie besteht aus einer Partikel vom Haupt der Heiligen, die Pfarrer Mechenich vom Dechanten von Maubeuge erhielt und ist eingeschlossen in einer Kapsel mit dem Siegel des Erzbischofs von Cambrai, zu dessen Diözese Maubeuge gehört. Damit wird die Echtheit garantiert. Der Erzbischof von Köln hat im Januar 1874 die Erlaubnis erteilt, die Reliquie zur öffentlichen Verehrung auszustellen. Das geschah zum ersten Male am 1. Februar 1874. Seitdem rufen viele Gläubige die heilige Adelgundis am Sonntag nach dem 30. Januar bei Krebs und offenen Wunden an.

ZU den höchsten Festen der Bruderschaft gehört seit jeher die Kirmes mit ihren Aufzügen.

Bis 1909 zog die Bruderschaft am Kirmes-Dienstag noch nach Dalheim-Rödgen und machte am Bahnhof Parade. Der bis dahin zur Pfarrgemeinde Arsbeck gehörende Ort wurde am 1. 4. 1909 selbständige Rektoratsgemeinde. Am 1. 7. 1911 wurde dann die St. Rochus-Schützenbruderschaft Dalheim-Rödgen gegründet.

Wegen der Kriegsereignisse ruhten in den Jahren 1914 bis 1919 die Festlichkeiten der Bruderschaft. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden ihre Aufzüge kaum behindert. Allerdings waren bei Schützenfesten zusätzlich Hakenkreuzwimpel an die Fahnen zu heften, selbst beim Zug zum Festhochamt.

Nach den Richtlinien des damaligen Machthaber mußten bis zum 15. 12. 1933 alle Vereinsvorsitzenden Parteimitglieder sein oder werden. Trotz dieser „Gleichschaltung“ konnten die traditionsbewußten Arsbecker bis zum Jahre 1939 den Vogelschuß und die Kirmesveranstaltungen ungehindert durchführen. Erst nach Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 fanden keine Aufzüge mehr statt, das gesamte Bruderschaftsleben ruhte.

In den ersten Nachkriegsjahren bis 1947 waren Vogelschuß und Aufzüge durch die Militärregierung verboten. 1948 durfte der – zunächst nur mit einer Armbrust – wieder geschossen werden. Seitdem ist dies – mit vier Ausnahmen – alljährlich geschehen.

Im Jahre 1953 feierte die Bruderschaft ihr 600-jähriges Bestehen im 1000-jährigen Arsbeck.